Tel: +49 (0)6531 9677-0 info@zum-kurfuersten.de
Ingwer

Ingwer und die TCM

Ingwer (Latein: Zingiberis Rhizoma recens, Chinesisch: Sheng Jiang) erfreut sich als Getränk oder als Gewürz beim Kochen großer Beliebtheit.

Er ist seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil in der chinesischen Diätetik und zahlreichen Kräuterrezepturen. Einige TCM-Therapeuten verwenden ihn beim „Moxen“ (dem Verbrennen von Beifuß). Dazu platzieren sie dünn geschnittene Ingwerscheiben zwischen Haut und Moxakraut, um vor Verbrennungen zu schützen und die Wirkung der Wärme zu beeinflussen.
Ich möchte hier kurz skizzieren, wem (aus medizinischer Sicht) die Einnahme von Ingwer gut tut und wem er (bes. in großen Mengen) eher schadet.

So wirkt Ingwer

Gehen wir vorab der Frage nach, was Ingwer in unserem Körper bewirkt:

Nahrungsmittel, Kräuter und Gewürze werden in der TCM in ihre „Geschmäcker“, in ihre „Temperaturen“ und „Wirkungsorte“ eingeteilt. Die Fünf-Elemente-Küche kocht entpsprechend.

  • Geschmack: Der Geschmack führt zu Reaktionen in unserm Körper. Essen Sie beispielsweise eine rote Chilischote (scharf) und Sie fangen an zu schwitzen und bekommen vielleicht ein rotes Gesicht. Scharf treibt nach außen. Wenn Sie in eine Zitrone beißen (sauer), bekommen Sie eine Gänsehaut und werden nicht schwitzen. Sauer zieht zusammen.
  • Temperatur: Minze beispielsweise kühlt. In arabischen Ländern wird auf den sonnenbeschienene Plätzen oft heißer Minze-Tee getrunken, da Minze erfrischt. Einen genauso heißen Zimt-Tee werden Sie dort vermutlich nicht finden, da Zimt wärmt und gerne als Tee, Gebäck oder Gewürz während der kalten Wintertage genossen wird.
  • Wirkungsort: Wenn Sie einen Blasentee trinken, wirkt er nicht auf die Lunge, sondern auf die Blase. Ein Bronchialtee hingegen wird gegen Husten eingesetzt und nicht gegen Blasenschwäche. Die eine Kräutermischung nimmt also Einfluss auf die Blase, die andere auf die Bronchien. Nach der TCM wirken Nahrungsmittel, Kräuter und Gewürze ihrem Geschmack, ihrer Temperatur und z. T. ihrer Farbe und ihrem Aussehen entsprechend auf bestimmte Organe oder Körperstrukturen (nach der TCM „Funktionskreise“

Eigenschaften von Ingwer

  • scharf
  • heiß
  • und wirkt auf Lunge, Milz und Magen

Mit diesen Eigenschaften vertreibt er z. B. Kälte, die aufgrund einer kühlen Wetterlage in den Körper eingedrungen ist. Besonders im Anfangsstadium einer Erkältung kann die Einnahme von Ingwer (z. B. als Tee) Gold wert sein. Die chinesische Medizin beschreibt Krankheiten und Therapie manchmal sehr bildhaft. Durch die Poren oder Lunge dringt der kalte Wind in die Körperoberfläche. Ingwer öffnet die Poren und treibt aufgrund seiner Wärme und Schärfe von innen die Kälte regelrecht aus dem Körper raus. Ist die Kälte aber zu tief eingedrungen und wandelt sich ggf. in Hitze um (z. B. starkes Schwitzen, Lungenentzündung), ist er mit seinem scharf/heißem Charakter mit Vorsicht zugenießen.

Da Ingwer Einfluss auf die Lunge (Wirkungsort) nimmt, kann er sehr gut gegen Husten eingenommen werden. Hierbei sollte aber beachtet werden, dass der Grund für den Husten eingedrungene Kälte ist (z. B. Husten aufgrund einer kalten Wetterlage). Gegen trockenen Husten (z. B. bei Rauchern) oder gegen Husten während einer Sommergrippe ist Sheng Jiang nicht geeignet.

Ingwer wirkt auch auf Milz und Magen. In der TCM werden den Organen zum Teil ganz andere Funktionen als in der schulmedizinischen Physiologie zugeschrieben. Die Wirkungsorte Milz und Magen (Funktionskreis Erde) stehen u. a. für die Umsetzung und Verdauung der Nahrung. So ist der Genuss von Ingwer gegen Durchfälle und Erbrechen geeignet, da er „die Mitte“ wärmt und beruhigt. Viele Kräuterrezepturen werden mit ihm ergänzt, um die Rezeptur verträglich zu machen und vor Übelkeit oder Durchfall zu schützen.
Weiterhin stärkt Ingwer das Immunsystem (Abwehr von Kälte) und wirkt entgiftend.

Einränkungen bei der Verwendung

Wann sollten Sie Ingwer meiden oder nicht in großen Mengen einnehmen?

Wenn Hitze und Trockenheit den Körper belasten, könnte die kontinuierliche Einnahme von Ingwer schädlich sein. Möchte man dennoch gerne mit Ingwer kochen oder nicht auf Ingwertee verzichten, sollte der Geschmack mit anderen Gewürzen oder z. B. mit süß-säuerlichen Früchten „abgepuffert“ werden. Bei TCM-Diagnosen wie „Yin-Mangel“, „Mangel-Hitze“ oder „Hitze“ kann sich die Einnahme von Ingwer in größeren Mengen negativ auf die Gesundheit auswirken.

Hier einige Beispiele:
Bei starkem Schwitzen (besonders Nachtschweiß), bei Magenhitze (z. B. Geschwüren), Mundtrockenheit, bei trockenem Husten, Obstipation aufgrund von Trockenheit (trockene Stühle), Fieber mit starkem Schwitzen und glühendem roten Gesicht sollten Sie Ingwer meiden oder, zum Beispiel beim Kochen, nur in kleinen Mengen zu sich nehmen. Das gilt auch bei einigen Arten von Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Herzklopfen oder Herzrhythmusstörungen.

Author Info

Dr. Holger Von Jaruntowski

Heilpraktiker mit TCM-Ausbildung und Studium der TCM in China.

Comment ( 1 )